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50. Johannisburger Haupt-Kreistreffen
in Dortmund, 4. Sept. 2005

Das Jubiläumstreffen der Johannisburger am Sonntag, 4. September 2005, wieder im Goldsaal und Foyer des Kongresszentrums Westfalenhallen in Dortmund, stand unter dem Motto: „50 Jahre Kreistreffen der Johannisburger in Folge in der Stadt Dortmund."

Knapp 400 Teilnehmer, meist aus der Stadt und dem Kreis Johannisburg stammend, aus vielen Teilen der Bundesrepublik angereist, fanden sich zum Treffen ein.

Aus besonderem Anlass wurde im Eingangsbereich der Haupthalle vom Posaunenchor der evangelischen Kirche Dortmund-Mengede unter der Leitung von Hans-Ulrich Peuser ein Platzkonzert geboten, der Bedeutung des Treffens angemessen war erstmalig neben der Ostpreußen-Fahne auch die der Stadt Dortmund am Fahnenmast aufgezogen und zusätzlich ebenso auf der Bühne des Goldsaales angebracht.

Die Feierstunde stand unter dem Leitwort: „Vertreibungen weltweit ächten", sie begann mit einem Musikstück. Herbert Soyka begrüßte alle Anwesenden und hieß sie willkommen. In weiteren Ausführungen machte er einige Aussagen darüber, dass die Treffen ab 1955 hauptsächlich in den Reinoldi-Sälen - 29 mal, ab 1987 dann im Goldsaal der Westfalenhallen - 19 mal stattgefunden hätten, sich in den Jahren die Besucher- und Teilnehmerzahl jedoch beträchtlich verringert hätte.

Besonderen Beifall fanden die weit angereiste kleine Delegation des Freundeskreises „ROSCH" aus Johannisburg unter Anführung des neuen 1. Vorsitzenden Ditmar Leymanczyk, sowie der Ehrenvorsitzenden Mira Kreska; der Bürgermeister der Stadt Dortmund, Adolf Miksch; der Vorsitzende des Bundes Junges Ostpreußen, Jochen Zauner und der Vorsitzende des BdV Kreisverband Dortmund, Helfried Glawe.

Für den musikalischen und gesanglichen Rahmen der Feierstunde sorgten der Musiker Dietmar Kern und der Chor der „Deutschen aus Rußland" unter der Leitung von Boris Kuferstein.

Im Programmablauf folgten das gemeinsam gesungene Kirchenlied von Paul Gerhard „Du meine Seele singe" und ein geistiges Wort aus dem Neuen Testament aus dem 1. Petrusbrief, Kap. 5, Vers 7: "Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch". In der von Doris Woytewitz gehaltenen Andacht werden wir nach dem Bibeltext aufgefordert unsere Sorgen Gott anzuvertrauen. In der Bergpredigt spricht Jesus darüber, dass wir uns nicht über unser Leben, um Nahrung, Kleidung und ähnliches sorgen sollen. Geschöpfe, wie die Vögel sorgen sich nicht und werden vom himmlischen Vater ernährt. Um so mehr dürften wir versorgt sein.
Ist das Gebot Sorget nicht für uns realistisch? Sorge um die Gesundheit, persönliche Lage, Ausbildung, den Arbeitsplatz, die Zukunft, Vorsorge, das Besorgen - dies alles ist uns nicht fremd.
Wir wissen aber auch, dass Sorgen zur Gefahr werden können. Übertriebenes Sorgen engt ein, kann zur Selbstquälerei werden, zur Besessenheit führen.
Sich in Sorgen vergraben, verhindert sich anderen, Menschen und oder Gott anzuvertrauen. So ist eine Liedstrophe Paul Gerhards, der in der schlimmen Zeit des 30-jährigen Krieges lebte, eine ermutigende Aufforderung:

„Auf, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen gute Nacht! Lass fahren, was dein Herze
betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente,
der alles führen soll,
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl."

„Freude, schöner Götterfunken" war ein feierliches Gesangstück, das der Chor passend darbot.

In der Totenehrung, die Eva Klischewski sprach, wurden die im Dezember 2004 und Februar 2005 verstorbenen verdienstvollen Mitarbeiter und Persönlichkeiten der Kreisgemeinschaft Johannisburg, Heinz Pedak und Hans Linke namentlich einbezogen.

Das Überbringen der Grußworte begann Jochen Zauner, BJO-Vorsitzender. Nach 50 Jahren Treffen der Johannisburger in Dortmund und 60 Jahre nach den verheerenden Ergebnissen Ende des Krieges ist die Treue zur Heimat nicht aufgelöst worden. Die Debatte um das Zentrum gegen Vertreibungen zeige die Misere, dass aus Geschichte gelernt werden soll, nicht sie zu verschweigen. Er betonte die Wichtigkeit des Arbeitens an der tatsächlichen und nachhaltigen Völkerverständigung, wie sie u. a. von der KG Johannisburg auf ihrer Ebene unterstützt und praktiziert wird, im Gegensatz zu anderen offiziellen politischen Vertretern, die vorrangig der Politischen Korrektheit huldigen.

Er apellierte dafür, dass die Erfahrungen, das Wissen, die Kultur und Heimatgeschichte an die junge Generation weitergegeben werden sollte, da in großen Teilen ein historisches Interesse am Schicksal Ostpreußen bestände und wünschte der KG Ausdauer und Erfolg für ihre Arbeit.

Im Namen des Deutschen Freundeskreis „ROSCH" überbrachte Ditmar Leymanczyk die Grüße aus der Heimat. Er stellte sich dabei als neu gewählter Vorsitzender des Vereins vor, bedankte sich für die bisherige Unterstützung und bat um weiteres Vertrauen und Nichtvergessen.

Grüße vom Kreisverband Dortmund des BdV überbrachte Helfried Glawe als Vorsitzender. Er beglückwünschte die Johannisburger zu ihrem 50. Treffen

in Dortmund, die damit ihre Treue zu Johannisburg, aber auch zu Dortmund bewiesen hätten. Viele von ihnen sind nach dem Krieg in NRW ansässig geworden, da passt die zentrale Lage um Dortmund herum, sich hier zu treffen.

Die Gedenkjahre 60 Jahre Kriegsende, 60 Jahre Flucht und Vertreibung, 55 Jahre Charta der Heimatvertriebenen haben das Schicksal der Heimatvertriebenen wieder in die Öffentlichkeit gebracht, was gut und nötig sei. Die Polemik um das vom BdV initiierte Zentrum gegen Vertreibungen spiegele dies wider. H. Glawe apellierte und bat um Unterstützung der Arbeit der Stiftung für dieses Vorhaben. Es ist wichtig, dass diese auch europäische Verteibungen einbeziehende Einrichtung bzw. der Bau desselben in Berlin zustande kommt. Er erinnert an eine in Dortmund am 18. September eröffnende Ausstellung „Aufbau West", die die Aufbauleistungen der Vertriebenen nach 1945 dokumentiert; offen bis März 2006.

Der Bürgermeister der Stadt Dortmund, Adolf Miksch, begrüßte die Anwesenden zum 50. Heimatkreistreffen recht herzlich, ging darauf ein, dass seit 1955 die Treffen ununterbrochen in Dortmund stattgefunden haben, sprach daher von einem besonderen Art goldenem Jubiläum und verband dies mit der Hoffnung des weiterhin Wohlfühlens der Johannisburger Familie in Dortmund. Weitere Ausführungen folgten dahingehend, dass vom Leitgedanken des Treffens „Vertreibungen weltweit ächten", Recht und Gerechtigkeit Priorität haben und für ein friedliches Zusammenleben sorgen. Mit Unrecht man sich aber weltweit nicht abfinden darf, es muss genannt werden, darf nicht verschwiegen werden. Das gilt für die Vergangenheit, dem Beispiel des Unrechts der Vertreibung von 15 Millionen Deutschen aus ihrer Heimat mit den auf Flucht und Vertreibung Umgekommenen. Das gilt auch in der Gegenwart.

60 Jahre nach Kriegsende, letztlich aber erst nach dem Ende des Kalten Krieges, auch trotz der schwierigen Lage durch den Krieg auf dem Balkan in jüngster Vergangenheit ist der europäische Gedanke auf einem guten Weg - die Osterweiterung der Europäischen Union ein wichtiger Schritt ist, die Heimatverbundenheit dadurch eine neue Dimension erfährt.

Einbezogen ist darin die Verständigung und Aussöhnung der Deutschen mit den östlichen Nachbarn,, die Vertriebenen hatten bereits 1950 mit der Stuttgarter Charta der Heimatvertriebenen ein positives wertvolles Zeichen gesetzt, indem sie auf Rache und Vergeltung verzichtet haben.

Mit dem Wunsch einer Zukunft in Frieden, Einigkeit und Recht und Freiheit, mit der Vision einer guten Zukunft in der Heimat Europa schließt der Bürgermeister seine Festrede und händigt dem Kreisvertreter der KG Johannisburg ein Dankgeschenk für die Treue zu Dortmund aus.

Den 2. Teil der Festansprache bestreitet der Kreisvertreter Willi Reck.

In seine Begrüßung schließt er ein besonderen Dank für das Kommen und Halten der beeindruckenden Festrede seines Vorredners als Repräsentanten der Stadt Dortmund zum 50.Kreistreffen der Johannisburger ein, mit der Bitte ein herzliches Danke auch an den Oberbürgermeister Dr. Langemeyer, die Bürgermeisterin Jörder und die Stadträte weiterzugeben.

In einer kurzen Rückschau über die letzten 60 Jahre zeigte er auf, wie der Weg nach Dortmund gefunden wurde, u. a. auch aus persönlicher Geschichte.

Viele Kriegs- und Nachkriegsereignisse aus weltpolitischer, nationaler und regionaler Sicht vom Kriegsende 1945, über Flucht und Vertreibung, Verkündung der Heimatvertriebenen-Charta, Beendigung des Kalten Krieges und Ende des Eisernen Vorhangs 1989, bis zum 50-jährigen Patenschaftsjubiläum der KG mit dem Kreis Schleswig-Flensburg und dem aktuellen Jubiläumstreffen in Dortmund wurden im Rückblick zur Erinnerung gebracht.

Dem Leitwort entsprechend soll an Menschlichkeit und Menschenrechte erinnert und gemahnt werden, Vertreibungen in der Welt zu verhindern.

W. Reck betonte, dass der Schwerpunkt in den gegenwärtigen Aufgaben der KG das Sammeln, Sichten, Sichern und Archivieren von heimatlichen ostpreußischen Kulturgütern an einer zentralen Stelle sei, um der Nachwelt erhalten zu bleiben. Selbstverständlich wäre die neue Einrichtung keine Konkurrenz zur Heimatstube in Flensburg.

Der jetzt neu erstellte Stadtplan von Johannisburg mit Legende, Stand bis 1945 wäre u. a. eine wertvolle Dokumentation, um im Archiv aufbewahrt zu werden. Soweit die Bemerkungen des Kreisvertreters, nach deren Ende er dem Bürgermeister ein kleines Präsent überreicht.

Anschließend bittet er einige verdienstvolle Mitarbeiter der KG auf die Bühne und zeichnet sie in Würdigung ihrer Arbeit aus:

Stellvertretend für alle ausscheidenden Kreistagsmitglieder

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Eva Klischewski

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Doris Woytewitz

erhalten sie eine Video-Kassette 50 Jahre Patenschaft und eine Rose.

Ehrung von Kreistagsmitgliedern, die vor 50 Jahren beim 1. Teffen in Dortmund dabei waren

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Rudolf Heldt

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Kurt Zwikla

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Max Maseizik

R. Heldt erhält die Ehrenspange und Urkunde der Kreisgemeinschaft Johannisburg
K. Zwikla und M. Maseizik erhalten eine Video-Kassette 50 Jahre Patenschaft.

Für den aktiven „Johannisburg"-Einsatz in den neuen Bundesländern erhält

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Benno Krutzke

die Ehrenspange und Urkunde der Kreisgemeinschaft Johannisburg.

Im Programmablauf folgt die vom Wahlleiter Gustav Dzewas moderierte Neuwahl des Kreistages. Die Kandidaten - Kirchspielvertreter für 17 Kirchspiele wurden vorgestellt und en-bloc einstimmig durch die Teilnehmer des Treffens bestätigt.

Vor und nach dem Wahlakt sang der Chor die Lieder „Westfalen" ehrenderweise für das Bundesland NRW und in russischer Sprache „Brot ist über allem" Das Schlußwort hatte dann der Organisator des Treffens, Herbert Soyka.

Er bekundete in namentlicher Nennung allen Akteuren seinen Dank, insbesondere beiden Festrednern. Mit Hinweis auf das nächste Kreistreffen am 3. September 2006 in Dortmund und organisatorischen Informationen beendete er seine Ausführungen.

Die Feierstunde klang mit dem gemeinsamen Singen des Ostpreußen- und Deutschlandliedes aus.

Außerhalb des offiziellen Programms fanden Sonntagnachmittag noch 2 Teil-Veranstaltungen in separaten Räumen des Standortes statt: die konstituierende Sitzung des neu gewählten Kreistages und ein Ortstreffen der Morgener.

Ebenso, wie in den Jahren zuvor, waren im Foyer verschiedene Info-, Angebots- und Verkaufsstände placiert, die den Besuchern und Interessenten einiges feilboten.

Das Treffen klang dann am späten Nachmittag, passend zum schönen Wetter, geruhsam aus.

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Ein Bericht von Herbert Soyka, (stellv. Kreisvertreter),
Johannisburger Heimatbrief 2006, Seite ...;
auszugsweise veröffentlich im Ostpreußenblatt, Folge 39, 01.10.2005

 

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Stand: 08. Januar 2011