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Die Pissowoda-Wiesen (Galinde-Wiesen) Von Waltraut und Hans-Heinrich Timmann
Besonders in der Zeit der Schneeschmelze ist er sehr wasserreich und führt dem Narew große Wassermassen zu. Als Sammelbecken dient der Roschsee, der den ganzen Osten des Kreises Johannisburg entwässert. Es ist außer Zweifel, dass in früheren Zeiten der Wasserspiegel bedeutend höher war. 1424 in einem Bereisungsprotokoll heißt es wörtlich: "Ouch so leit eyn sehe Pissewode genant und noe dobey czwene kleyne Sehe ..." Dieser Sehe Pissowda ist ohne Zweifel das Gebiet der Pissowoda-Wiesen, von dem dieser Bericht handelt. Der Wasserspiegel der Galinde war zur Ordenszeit etwa doppelt so breit wie 1945 (Johannisburger Heimatbrief 1981, Seite 45 ff). 1424 wird, wie schon erwähnt, von noch einem See berichtet. Aber bereits 1453 in der Verleihungsurkunde von Adl. Rakowen (Raken) wird nur noch von einem Bagno Pissowoda (Sumpf) geschrieben. Durch die Regulierung des Pissek 1795 ist der Wasserstand wahrscheinlich noch weiter gefallen. So entstanden große Moorwiesenflächen. 1907 hatte der Kreis Johannisburg fast 11% solcher Moorwiesenflächen. Die größten Flächen waren nach einer Aufstellung von 1907:
Alle diese Brüche waren laut Niekammer's Adreßbuch Torfbrüche. Dazu kam noch als Moosbruch das Kullickerbruch. Doch bereits 1766 wurde mit der Urbarmachung der Pissowoda-Wiesen begonnen. Es wurden Bäume und Sträucher ausgerodet, und die Fläche des Pissowoda-Bruches wurde vermessen, eingeteilt, begrenzt und dann versteigert. Wörtlich heißt es in den alten Akten: "Nachdem das königliche Bruch Pissowoda genannt, zwischen Borken, Jegodnen, Babrosten, Gutten und Pietrzicken im Amte Johannisburg gelegen, vorher mit Sträuchern verwachsen gewesen, fortnachher aber zu Wiesen ausgerodet, und vom Landt-Bau-Meister von Schlieting anno 1766 vermeßen, mit Schüttungen gehörig begrentzet und nach geschehener Publication von den Canzeln bey der am 6ten Juny 1768 a Deputate Camerae gehaltenen Licitation, diese gerodeten Wiesen von nachfolgenden plus Licitanten gegen einen gewißen an das Königl. Amt Johannisburg zu zahlenden Erblichen Wiesenzins angenommen worden als aus dem Dorf ..." Es folgen dann die Namen der neuen Besitzer. Diese Versteigerung war am 6. Juni 1768. Die Erbverschreibung ist datiert: Gumbinnen, d. 1. Febr. 1775. Das Grundbuch 1828/30/34/36 zeigt uns die Aufteilung der Pissowoda-Wiesen. Es geht vor allen Dingen daraus hervor, welche Dörfer und Bauern Privilegien erworben hatten. Bei Gutten war der erste Privilegieninhaber Fritz Pissowotzki, der den Anteil an andere "Wirthe" weiterverteilte. Bei anderen Gemeinden erwarben teils die Bauern, teils die Dörfer ihre Anteile. Diese Anteile der Dörfer waren noch 1945 vorhanden, wie z.B. die Ribittwer Wiesen bei Gutten und die Kessler Wiesen. Es folgt jetzt eine Liste der Anteile der Pissowoda-Wiesen aus dem Grundbuch 1828/1836. Diese Liste zeigt nicht den ganzen Bezirk der Pissowoda-Wiesen. 1898 ist z. B. die Domänenfiskalische Pissowoda Wiese mit der Gemeinde Kumllsko (Morgen) vereinigt worden. Die Größe der Fläche blieb uns unbekannt. (Anm.: Kumilsko hatte 1895 eine Fläche von 995 ha, 1930 eine Fläche von 1.076 ha) Liste der Anteile der Pissowoda-Wiesen 1828/1836
Die 368 Morgen 59 QuR von Gr. Kessel werden von den "Einsaßen" im Verhältnis ihres Besitzes genutzt. Die Wiesen von Wnenta sind hauptsächlich in der Gemarkung von Jegodnen zu finden. Das Gut oder Dorf Wnenta, das erst zwischen 1714 und 1723 eine neue Berahmung (Ansiedlungsvertrag) erhalten hatte, ist wahrscheinlich eingegangen, da das Gebiet in der PT 22 (Anm.: PT = Praestation-Tabelle = Steuertabelle) als unbebaut eingetragen ist. Die Randgebiete der Pissowoda-Niederung wurden aber auch schon in früheren Zeiten als Wiesen genutzt. Bereits 1579 hatte der Pfarrer aus Johannisburg eine Wiese zur Heugewinnung am Pissowoda-Fließ. Durch diese sumpfigen Wiesen führten einige Wege, z.B. von Jegodnen nach Masten und Borken, die man Winterwege nannte, weil sie nur im Winter oder in trockenen Jahren benutzt werden konnten. Die Hauptentwässerung der Pissowoda-Wiesen war der Borker Pließ. In einer alten Schrift steht: Zitat: '"Ein Fließ Pissowodde kommt auß den Pietrziker königl. Bruch, fließt durch die Gutter Wiesen undt fallet bey Borken ins Flies Pisse". Die Sicherstellung der Entwässerung wurde besonders unter König Friedrich-Wilhelm IV. durch das Vorflutedikt und das Gesetz für das Aufgebots- und Präklusions-Verfahren vom 23.01.1846 gewährleistet. Diese Wiesen wurden im Laufe der Jahrhunderte gutes Weide- und Heuland. Noch bis zum Kriegsende wurde eine gute Entwässerung aufrechterhalten. Soweit unsere kurze Chronik der Pissowoda-Wiesen.
Anmerkung (1) In alten Dokumenten sind unterschiedliche Schreibweisen anzutreffen. Vielfach schrieb man so wie man sprach oder es verstand, z.B. heißt es in einem alten Grundbuchauszug von Dez. 1900: Pishawodda-Wiesen.
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